Bei allem Interesse an tagespolitischen Themen und der Arbeit von Abgeordneten und Parlament, steht für viele meiner Besucher immer eines im Vordergrund: Die Neugier auf den Blick „hinter die Kulissen“.
Wo arbeiten die Politiker, wie sitzt es sich auf den Stühlen im Plenarsaal, was gibt es im Reichstag zu sehen, was die Tagesschau nicht zeigt und wie fühlt es sich an, tagtäglich an diesem geschichtsträchtigen Ort zu sein?
Deshalb zeige ich Ihnen nun regelmäßig, was Sie sonst nicht zu sehen bekommen. Fotos der vielen Kunstobjekte hier im Haus, meinen Schreibtisch (und wie der in einer Sitzungswoche aussieht), oder aber die verschiedenen Gebäude, die allesamt zum Bundestag gehören.
Starten wir heute doch gleich mit letztem Beispiel. Viele sind sich gar nicht bewusst, dass nicht bloß der Reichstag zum Arbeitsplatz der Abgeordneten zählt. Drei weitere Gebäude gehören ebenfalls zum Areal – alle miteinander durch Tunnel oder Brücken verbunden.
Im Paul-Löbe-Haus (benannt nach dem letzten demokratischen Reichstags- präsidenten der Weimarer Republik) habe ich mein Büro. So wie viele meiner MdB-Kollegen: 510 Räume für 170 Abgeordnete gibt es hier. Dazu kommen weitere 450 Büros für die Ausschusssekretariate und einen Teil der Verwaltung. Außerdem sind in acht Rotunden die zweigeschossigen Ausschusssitzungssäle untergebracht. Das ist sehr praktisch für mich, es erspart mir nämlich den langen Fußweg, den andere zurücklegen müssen. Das 200 Meter lange und 100 Meter breite Haus bietet zu beiden Längsseiten einen tollen Blick – zur Westseite auf das Bundeskanzleramt, nach Osten direkt auf die Spree und das Marie-Elisabeth-Lüder-Haus.
Dieses Haus ist ebenfalls Teil des „Band des Bundes“, das die Architekten zum Ausdruck der überwundenen Teilung Deutschlands entworfen haben. Zu diesem Band im Spreebogen gehört neben den beiden erwähnten Häusern auch das Kanzleramt. Paul-Löbe- und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus sind durch eine Brücke über die Spree miteinander verbunden. Ein Symbol für den Brückenschlag zwischen den ehemals getrennten Stadthälften.
Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus kann man als das Informations- und Dienstleistungszentrum des Parlaments verstehen. Hier sind die Pressedokumentation, die Wissenschaftlichen Dienste und die Parlamentsbibliothek zu finden. Die ist mit einem Bestand von über 1,4 Millionen Büchern übrigens eine der größten der Welt. Die Parlamentsdokumentation arbeitet in diesem Gebäude für die Bürger: Die Archivierung von Dokumenten und Informationen ermöglicht es, die Arbeit des Parlaments nachvollziehbar und transparent zu machen. In einem sonst leeren Raum ist ein Stück der Berliner Mauer in ihrem ehemaligen Verlauf erhalten.
Im Jakob-Kaiser-Haus sind die Fraktionen und ihre Mitarbeiter untergebracht. Mehr als 2.000 Menschen arbeiten in diesem größten Parlamentsneubau. Es besteht nochmal aus jeweils acht Häusern. Auch die Bundestagsvizepräsidenten und Stenografen haben im Jakob-Kaiser-Haus ihre Büros. Außerdem gibt es hier ein Fernsehstudio des Bundestagsfernsehens, die Pressestelle und zwei Sitzungssäle für Enquête-Kommissionen. Viele der Abgeordneten haben auch hier ihre Büros – drei rund 18 Quadratmeter große Räume für sich und die Mitarbeiter.